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EINE OMA TO GO, BITTE – Mit der Leihoma die Welt neu erleben

„Oma so lieb, Oma so nett, ach wenn ich dich, meine Oma nicht hätt‘ ….“ – Heintje

Genau aus diesem Grund sollten wir unsere Omas mindestens einmal im Jahr gebührend ehren. Und zwar am 2. Sonntag im Oktober, dem offiziellen Oma-Tag in Deutschland.

Kennt ihr das nicht auch? Die Enten am See mit Brotkrümeln verwöhnen. Vom Teig des leckersten Marmorkuchens der Welt naschen. Den besten Gute-Nacht-Geschichten lauschen. Den ganzen Nachmittag die verschiedensten Untersetzer mit den farbigsten Perlen bügeln. Mit der Fähre über den See schippern. Sich aufs Baden freuen, weil Oma immer so schön lange den Rücken abtrocknet. Oma, die Heldin der Kindheit und eine Bereicherung, wie sie jedes Kind erleben sollte.

Historische Aufnahme Oma und Enkel
Bildquelle: flickr.com | Günter Hentschel „Fettdonnerstag irgendwann“

Die Leihoma – Ein Bindeglied zwischen Generationen

Wenn ich drei Wünsche frei hätte, würde ich mir ….

1. für alle Kinder eine Oma wünschen, die ….

  • viel Zeit zum Spielen, Erzählen, Quatsch machen und interessante Unternehmungen mitbringt.
  • ein offenes Ohr hat und somit zu einer weiteren Bezugsperson wird.
  • über jede Menge Geduld-Ressourcen verfügt und viel Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt.
  • einen Drang nach Verwöhnen verspürt und einem jeden Wunsch von den Augen abliest.

2. für alle Eltern eine Oma wünschen, die ….

  • eine unterstützende Rolle einnimmt und zudem entlastend wirkt.
  • über einen großen Erfahrungsschatz verfügt und einem mit Rat und Tat zur Seite steht.
  • flexibel in der Zeitgestaltung ist und auf Abruf bereit wäre.

3. für alle Omas wünschen, dass sie ….

  • eine Aufgabe und somit das Gefühl haben, gebraucht zu werden.
  • all die Liebe, die in ihnen steckt, weitergeben können.
  • sich aktiv betätigen und in Bewegung bleiben.

Aber nicht jedes Kind kommt in diesen wunderbaren Genuss. Sei es die Entfernung, die ein tägliches Miteinander unmöglich macht oder gar ein Streitfall in der Familie. Eventuell sind sie selbst noch berufstätig in Vollzeit oder möchten sich mit Eintritt ins Rentenalters Zeit für sich nehmen. Oder aber sie sind schon aufgrund fortgeschrittenen Alters körperlich eingeschränkt. Im schlimmsten Fall jedoch wachen Oma und Opa schon von oben über uns.

Ich wünsche mir, dass diese familiäre Lücke geschlossen bzw. ergänzt und eine vertraute Atmosphäre geschaffen werden könnte. Denn Großeltern haben einen enorm emotionalen Wert.

Die Leihoma – Ein wichtiger Begleiter für alle Lebenslagen

Es gibt heutzutage viele Arten von Patenschaften. Sei es der Taufpate oder aber Patenkinder aus ärmeren Ländern. Sogar Berufspaten zur Unterstützung bei dem Start der Karriereleiter sind nichts Außergewöhnliches.

Warum sollten unsere Kinder auf diese Weise nicht auch eine Oma oder einen Opa bekommen?

Leihgroßeltern sind im Durchschnitt in einem Alter von 55-65 Jahre und greifen sowohl alleinerziehenden Müttern und auch vielbeschäftigten Eltern in regelmäßigen oder unregelmäßigen Abständen unter die Arme. Dabei hat sich eine Zeit von etwa 6h/ Woche, also 1-2 Nachmittage bewährt. So können sie die Sprösslinge beispielsweise von der KITA abholen, bei den Hausaufgaben helfen, einen kleinen Ausflug planen oder aber gemeinsam essen, spielen und erzählen, eventuell später auch ins Bett bringen.

Auch für den Sohnemann einer allein erziehenden Mutter wäre so ein Leihopa eine ganz besondere Chance und ein echter Segen, um eine männliche Bezugsperson zu kompensieren. Die Anfragen liegen hier bei stolzen 20%.

„In Omas kleinem Zimmer sitz‘ ich so gern bei ihr. Sie weiß die schönsten Märchen und die erzählt sie mir.“ – Heintje

Die Leihoma – Der Weg in die neue Familie

Wenn sich keine Gelegenheit im Bekanntenkreis ergibt, beginnt das Abenteuer Wunschoma meist mit dem Blick ins Internet. Schnell bietet Google einem verschiedene Suchergebnisse – von regionalen bis überregionalen Agenturen, von ehrenamtlichen Organisationen bis hin zu kommerziellen Anbietern. So variiert auch die Bezahlung – von lediglich der Kostenübernahme anfallender Beträge hinsichtlich der Tätigkeit bis hin zum Mini-Job-Status.

Hat man sich dann für einen geeigneten Service entschieden, kommt es nach Anfrage per Telefon oder Mail zu einem ersten persönlichen Gespräch in der Agentur. Hier werden gewisse Punkte abgesteckt, um eine Vorauswahl der potentiellen Patenschaft zu treffen. Anschließend schaut die Agentur nach passenden Treffern für die Familie, denn auch die Wunschgroßeltern haben einen Fragebogen ausgefüllt: Ist ein lebhafter Enkel gewünscht oder werden etwas ältere Kinder bevorzugt, mit denen man schon weitgreifende Gespräche führen kann. Gibt es Tierhaarallergien oder ist das 4. Stockwerk auf Dauer zu hoch? Steht man evtl. nur am Wochenende zur Verfügung? Und geht man grundsätzlich mit dem Erziehungsstil der Eltern konform?

Neben diesen Kriterien ist aber letztendlich die Sympathie ausschlaggebend. Denn stimmt diese Basis nicht, könnten unsere Kinder in Bedrängnis zwischen zwei Bezugspersonen geraten. Das gilt es herauszufinden. Hierfür sollte man eine Art „Probezeit“ vereinbaren, um zu testen, ob der Funke nach dem ersten Vorlesen aus dem Lieblings-Lesebuch schon überspringt und die Chemie auch noch beim zweiten Spielenachmittag mit Gesellschaftsspielen & Co. stimmt.

Familienausflug mit den Großeltern
Mit den Großeltern gibt es viel zu entdecken

Die Leihoma – Eine Familienerweiterung im Win-Win-Modell

Mit dem Konzept der Wunschgroßeltern erhalten unsere Kinder Einblicke in eine Generation, zu denen sie sonst wahrscheinlich keinen Zugang bekommen hätten.

Dieses Verhältnis sollte bei erfolgreicher Vermittlung allerdings nicht zur Befriedigung der eigenen Bedürfnisse ausgenutzt werden – weder von den Leihgroßeltern als ausschließlichen Lebensinhalt noch von den Eltern als günstige Variante eines Babysitters. Schließlich sollte die Freude am gemeinsamen Miteinander vordergründig sein, womit eine respektvolle Bindung aufgebaut wird.

„Ich hab‘ die beste Oma, die liebste von der Welt, bei dir da darf ich alles, wie es mir grad‘ gefällt.“ – Heintje

Habt ihr bereits Erfahrungen mit einer Leihoma oder sogar einem Leihopa? Wie seid ihr darauf gekommen? Oder ist diese Option für euch gar keine Alternative?
Wir freuen uns über eure Meinung zu diesem Thema.

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