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Wenn die Förderung unserer Kinder zum Wahn wird

„Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.“ – Afrikanisches Sprichwort

Es gibt Dinge, die brauchen ihre Zeit. So zum Beispiel die Entwicklung unserer Kinder. Aber wie erreiche ich die perfekte Balance zwischen Förderung und Überforderung? Und wohin führt der gesunde Mittelweg? Debatten über das angemessene ‚Zeit- bzw. Entwicklungsfenster‘ machen einem die Entscheidung nicht leichter, vielmehr hinterlassen sie uns ratlos.

Bieten wir unseren Kindern nichts an, heißt es, wir handeln nachlässig, verwehren dem Nachwuchs die zahlreichen Möglichkeiten der frühkindlichen Förderung und somit auch die Chance, sich frühest- und bestmöglich auf die Zukunft vorzubereiten. Schnell bekommt man auch mal zu hören: „Dein Kind kann sich noch nicht in Englisch verständigen?“. Kommt euch das bekannt vor?

Entscheiden wir uns allerdings für das andere Extrem und planen den Tag des Kindes bis ins kleinste Detail durch, wird uns vorgeworfen, unsere Kinder müssen sich dem Bildungsdruck der Gesellschaft fügen. Wie dieses Beispiel es veranschaulicht:

Der Tagesablauf eines Schulkindes – kein Einzelfall

6:30 Uhr Wecker klingelt
8:00 Uhr Schulbeginn

nach 5h Hochleistung

13:00 Uhr Schulschluss
15:00 Uhr Ballettunterricht

nach körperlicher Anstrengung

17:00 Uhr Hausaufgaben
18:00 Uhr Abendbrot mit englischem Small-Talk

13h später, ohne eine Ruhephase

19:30 Uhr Schlafenszeit

Aber der Kopf gibt noch keine Ruhe, denn es braucht auch eine Weile, das Erlebte zu verarbeiten. Da ist oft auch das 99. Schaf noch nicht das Letzte. Erst bei kompletter Entspannung ist das Gehirn in der Lage, Wissen zu speichern und Erlerntes umzusetzen. Und Schlafmangel behindert den Lernerfolg.

 

überfordertes Kind durch zu viel Förderung
Bildquelle: flickr.com | Kevin Dooley – Pressure

 

Mit dem Ziel vor Augen, unserem Kind nur das Beste zu tun, vergessen wir manchmal, dass wir den kleinen Menschen damit eine enorme Hochleistung abfordern. Nicht zuletzt, weil sich viele Kinder nicht bewusst äußern, da sie uns nicht enttäuschen wollen.

Typische Anzeichen, dass mein Kind mit der Förderung überfordert ist

Vielmehr äußern sich Stress und Überforderung durch Kopf- und Bauchschmerzen sowie schlechter Laune, Schlaf- und Konzentrationsstörungen. Auch Versagensängste spielen eine große Rolle. Die Angst, nicht den Ansprüchen von einem lieben und artigen Kind zu entsprechen. Die Angst, nicht Klassenbester oder erfolgreich im Leistungssport zu sein. Schnell kann Misserfolg auch zu einer negativen Lernerfahrung führen, woraus eine Null-Bock-Einstellung resultiert.

Zettel mit der Aufforderung: make your mother proud.
Bildquelle: flickr.com | Nick Webb – Pressure

 

Aber welche Förderung ist denn die Richtige für mein Kind?

Immer mehr wird von freier Entfaltung und eigener Entscheidungsfindung gesprochen. Was möchte mein Kind? Was kann mein Kind? Was fördert mein Kind altersgerecht? Und zu welchem Zeitpunkt?

Die sprachliche Entwicklung und die soziale Kompetenz werden wie von Zauberhand schon in der Kita gefördert. Durch Erleben, Spielen und nötige Auszeiten. Umso länger die Kinder die Möglichkeit haben zu spielen, desto höher ist die Chance, Situationen zu schaffen, worin sie sich Dinge selbst aneignen. Dies hat wiederum größere Auswirkungen für die spätere Entwicklung. Kinder suchen sich die Herausforderung allein und mit einem gewissen Maß an Schwierigkeit wird sich ihre Begabung entfalten. Selbst wir könnten leichte Herausforderungen schaffen, um die Kids an Gefühlen wie Glück, Stolz und Selbstbewusstsein teilhaben zu lassen.

Am besten funktioniert dies in einer anregenden Umgebung, so zum Beispiel bei:

Kinderspielen
– Bastelnachmittagen
– kulturellen Unternehmungen
Motorikspielzeug
Konstruktionsspielzeug
– Musik
– Spaziergängen

Aber auch mit schönen, interessanten Gesprächen, bei denen den Kids ihre Fragen beantwortet werden, fördert man das eigene Kind mehr als man denkt. Ab dem Jugendalter können Kinder dann auch adäquat mit Wettbewerbssituationen umgehen. Auch gelegentliche Langeweile ist nicht schlimm, denn diese kompensieren unsere Kinder meist durch kreative Schöpfungsphasen.

Versucht einen Weg zu finden, der sowohl überlegt und fürsorglich, aber auch tolerant ist.

 

Die goldene Regel: Beobachte dein Kind. Rede mit deinem Kind.

Was macht den Nachwuchs glücklich? Wann ist er ausgelassen? Was stößt auf großes Interesse? In welchen Situationen ist Wissbegierde zu spüren? Welche Beschäftigung sucht er sich alleine? Natürlich sollte dabei kein Vergleich mit Gleichaltrigen aufgestellt werden. Man sollte dabei allerdings auch auf Begebenheiten achten, welche Signale wie Stress, Trauer und Schmerzen senden. So kann man gezielt und unverkrampft nach sinnvollen Fördermöglichkeiten Ausschau halten, die optimal auf das Kind zugeschnitten sind. Ohne die eigens nicht gelebten Träume zu übertragen.

Kinder brauchen familiäre Wurzeln, profitieren aber auch davon, wenn man ihnen Flügel gibt. Flügel, die eigene Erfahrungen zu sammeln und die Welt auch mit Freunden zu entdecken. Flügel, die es zulassen, sich frei zu entfalten.

Generell gilt: In der Erziehung gibt es kein pauschales Richtig oder Falsch. Aber es gibt Denkanstöße.

Welches Maß liegt für euch noch im Rahmen? Was ist zu viel und was zu wenig? Gibt es DIE perfekte Mitte? Und woraus zieht ihr als Erwachsene erneute Kraft? Durch regelmäßige Auszeiten und qualitative Zeit mit Freunden?

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