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Wir präsentieren: das Montessori Konzept

Kaum sind die Schuleinführungen vorbei, stehen auch schon die Anmeldephasen und Vorbereitungen für die Einschulung im kommenden Jahr vor der Tür. Die Anmeldung ist für Kinder in Deutschland im Alter von 5 bis 7 Jahren gesetzlich verpflichtend. Dabei können die Eltern selbst wählen, auf welche Art von Schule ihre Kinder gehen sollen. Zur Auswahl stehen sowohl öffentliche Schulen als auch Privatschulen. Die Entscheidung, welche Schule für sein Kind am besten passt, ist nicht immer einfach. Insbesondere im Bereich der Privatschulen findet man häufig alternative Lernkonzepte, die in Zeiten unserer Leistungsgesellschaft interessant für den Nachwuchs sein können. Eines dieser Konzepte ist die Montessori Pädagogik. Wir zeigen euch, was hinter dieser Lernmethode steckt, für welche Kinder das Konzept geeignet ist und räumen mit den Vorurteilen auf.

Woher kommt die Montessori Pädagogik?

Begründerin der Montessori Pädagogik ist Maria Montessori. Sie wurde 1870 in Italien geboren und stammte aus einer geordneten und christlichen Familie. Obwohl das Medizinstudium damals den Männern vorbehalten war, gelang es ihr 1896 als eine der ersten Frauen Italiens in diesem Bereich zu promovieren. Sie interessierte sich besonders für die Kinderheilkunde und begann schon früh, mit geistig behinderten Kindern zusammenzuarbeiten.  Sie fand heraus, dass die Kinder keineswegs unterentwickelt, sondern lediglich unterfordert waren. Daher entwarf Montessori eigene Arbeitsmaterialien, um die Kinder neugierig zu machen und so ihre Konzentration zu fördern. Im Jahre 1907 gründete sie ein Kinderhaus in einem römischen Armenviertel, in dem Kinder aus sozialschwachen Verhältnissen betreut werden konnten. Dabei wurden auch ihre eigens entwickelten Materialien und Methoden erfolgreich angewendet. Währenddessen machte Montessori die Entdeckung, dass Kinder sich mit einer Sache, die sie wirklich interessiert, stundenlang, abgeschottet von ihrer Umwelt und zutiefst versunken beschäftigen können.  Dieses Phänomen wird  auch als „Polarisation der Aufmerksamkeit“ bezeichnet und ist sozusagen die Basis der Montessori Pädagogik.

Maria Montessori mit Schülerin in schwarz-weiß
Maria Montessori war die Begründerin der berühmten Montessori Pädagogik

Was bedeutet Montessori Pädagogik?

Bei der Montessori Pädagogik geht es hauptsächlich um freies Lernen. Das Kind wird als Individuum mit all seinen Stärken, Schwächen und persönlichen Bedürfnissen gesehen und genau so auch behandelt. Daher werden jegliche Vergleiche – ob mit der Gesellschaft, mit bestimmten Standards oder gar mit anderen Kindern – vermieden. Maria Montessori selbst beschreibt diese Art von Pädagogik als „eine komplexe, pädagogische und soziale Bewegung, die unmittelbar aus und durch die Offenbarung des Kindes entstanden ist“. Kinder, die in einer Montessori Schule lernen, können dies in ihrem eigenen Rhythmus und auf ihre eigene Art tun. Lehrer fungieren dabei als Vorbild, die den Kindern die Freude am Lernen vorleben sollen, welche ohnehin im Wesen eines jeden Kindes steckt. Ihr kennt das sicher auch, wenn eure Jüngsten sich mal wieder völlig vertieft eine gefühlte Ewigkeit mit ihrem neuen Lieblingsspielzeug beschäftigen oder euch ganz wissbegierig mit „Warum-Fragen“ löchern. Auf diesem natürlichen Wissendurst baut die Montessori Pädagogik auf, indem sich die Kinder ihren persönlichen Interessen hingeben können. So soll  jedes Kind seine eigenen Erfahrungen machen und aus diesen auch lernen. Dabei stehen Individualität, ein respekt- und achtungsvoller Umgang sowie die Förderung einer selbstständigen Persönlichkeit im Vordergrund.

Unterricht an Montessori Schulen

In Deutschland gibt es insgesamt ca. 400 Montessori Einrichtungen und Kindergärten, davon 300 Grundschulen. Dabei wird an Montessori Schulen ein anderes Konzept als an Regelschulen verfolgt. Das macht sich nicht nur bei dem Grundgedanken der Montessori Pädagogik bemerkbar. Die Hauptunterschiede kurz und knapp erklärt:

  • Jahrgangsmischung: An Montessori Schulen gilt nicht das klassische Jahrgangs- und Leistungssystem wie es an öffentlichen Schulen die Regel ist. Kinder verschiedener Alters- und Leistungsstufen sind hier gemeinsam in einer Gruppe. Dahinter steckt, dass so die Individualität besser gefördert werden kann und die Kinder auch voneinander lernen.
  • Keine Noten: Anders als in der Regelschule werden die Kinder in Montessori Schulen nicht in jedem Fach mit Noten von 1 bis 6 bewertet, sondern erhalten einen individuellen Leistungsbericht.
  • Freiarbeit: Im Gegensatz zum starren Frontalunterricht, steht in einer Montessori Schule die Freiarbeit an der Tagesordnung. Dabei kann sich jeder Schüler selbst aussuchen, was er mithilfe der Lernmaterialien erarbeiten möchte. Die Lehrer spielen dabei eine unterstützende Rolle und stehen für Fragen zur Verfügung.

„Lernt mein Kind auf einer Montessori Schule überhaupt etwas?“

Obwohl viele Eltern daran zweifeln, dass ihre Kinder auf einer öffentlichen Schule gut  aufgehoben sind und ausreichend individuell gefördert werden, haben sie dennoch Vorurteile gegenüber alternativen Lernmethoden wie etwa der Montessori Pädagogik. Lernt das Kind in einer Montessori Schule überhaupt die Grunddisziplinen wie Mathe, Deutsch und Englisch? Ist ein späterer Wechsel an eine öffentliche Schule möglich und findet sich das Kind dann dort überhaupt zurecht? Und sind Schulabschlüsse an Montessori Schulen staatlich anerkannt, sodass das Kind später eventuell studieren kann? All das sind Fragen und Sorgen, die berechtigt sind. Wir klären sie auf:

  • Neben der Erarbeitung selbst ausgewählter Themen werden selbstverständlich auch Fächer wie Mathematik, Deutsch, Englisch und Sachkunde Je nach Schule findet dies in separatem gebundenen Unterricht oder auch in Form von Freiarbeit statt. Häufig müssen die Schüler in diesen Fächern auch Hausaufgaben vorbereiten. Außerdem wird ihr Wissen regelmäßig in Form von Tests abgefragt.
  • Es ist nicht ungewöhnlich, dass Eltern ihre Kinder nach der Grundschulzeit auf eine Regelschule schicken möchten. Weiterhin kann es vorkommen, dass sich in unmittelbarer Umgebung keine weiterführende Montessori Schule befindet, sodass ein Wechsel auf eine öffentliche Schule unausweichlich ist. In der Regel ist dieser Wechsel auch problemlos möglich. Da sich Montessori Schulen auch an den staatlichen Lehrplan halten, sollten die Kinder ohnehin auf demselben Wissensstand sein. Dennoch ist ein Wechsel für die Schützlinge eine Umstellung, mit der die einen mehr und die anderen weniger gut umgehen können.
  • An einer weiterführenden Montessori Schule können die Kinder grundsätzlich sowohl einen Haupt- und Realschulabschluss erhalten als auch das Abitur Die Abschlussprüfungen dafür sind jedoch als externe Prüflinge an einer staatlichen Schule abzulegen. Mit dem erreichten Abschluss sind Ausbildungen, Studium oder weiterbildende Programme problemlos machbar.
Beispiel Stundenplan einer Montessori Schule
So kann ein Stundenplan an der Montessori Schule zum Beispiel aussehen

Ist eine Montessori Schule das Richtige für mein Kind?

Gemäß der Montessori Pädagogik ist jedes Kind individuell und einzigartig. Daher sollte man sich als Eltern auch überlegen, ob sein Kind in dem Montessori Konzept am besten aufgehoben ist. Grundsätzlich ist die Montessori Schulform für jedes Kind geeignet. Vielen Kindern tut es sehr gut, ohne Druck und starre Abläufe, frei lernen zu können. Insbesondere in einer Leistungsgesellschaft wie unserer ist es vielleicht gar nicht so verkehrt, Kinder ausreichend in ihrer Persönlichkeit zu stärken. Schließlich müssen sich die Kleinen früh genug in der „Erwachsenenwelt“ behaupten. Andererseits gibt es auch Kinder, die mit den Freiheiten nicht so gut umgehen können. Insbesondere Kinder mit Konzentrationsschwierigkeiten sind durch fehlende Strukturen und Regeln eventuell überfordert.

Jedes Kind ist anders, daher müssen Eltern für sich entscheiden, welches Schulkonzept für ihre Schützlinge am besten geeignet ist.

Wisst ihr schon, auf welche Schule euer Kind im nächsten Jahr gehen soll? Oder habt ihr vielleicht sogar schon Erfahrungen mit der Montessori Pädagogik oder anderen alternativen Schulformen gemacht?

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