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Ab wann braucht mein Kind Nachhilfeunterricht?

Keine Motivation, Umzug, Stress mit anderen Kindern oder Dyskalkulie: Die Gründe, warum Kinder mit dem Lernstoff in der Schule nicht hinterherkommen, sind vielfältig. Dauert diese Phase länger, machen sich Eltern langsam Sorgen. Doch ab wann müssen sie eingreifen, damit die Wissenslücken ihres Sprösslings nicht zu groß werden? Ist der Nachhilfeunterricht nach zwei, drei schlechten Noten sinnvoll oder übertrieben?

Egal, ob das Kind ganz plötzlich schlechte Noten mit nach Hause bringt oder die Vieren schon fast zur Gewohnheit geworden sind: Der Nachwuchs sollte nie nur auf seine Zensuren reduziert werden. Wir müssen die Gesamtheit betrachten, wenn wir herausfinden wollen, worin die Ursachen der kleinen oder – bei Versetzungsgefährdung größeren – Krise liegen.

Schlechte Noten – woran liegt’s?

Wenn der Leistungsabfall plötzlich auftritt, sollten wir zuerst das Umfeld beleuchten. Ist das Kind derzeit besonders gestresst? Wenn die Gründe nicht offensichtlich sind, wie zum Beispiel bei einem Umzug in ein anderes Bundesland mit einem anderen Lehrplan oder einem Trauerfall in der Familie, ist der Blick zur Schule zu richten. Hier spielen Unterrichtsausfälle, zu große Klassen und das Verhalten der Mitschüler und Mitschülerinnen eine Rolle. Wird das Kind geärgert, kann das Selbstvertrauen derart geschädigt werden, dass sich das immens auf die Leistungskurve auswirkt.

Eine andere Ursache ist beim Nachwuchs selbst zu suchen. Konzentrations- und Aufmerksamkeitsschwierigkeiten bis hin zu Dyskalkulie (Rechenschwäche) und Legasthenie (Lese-Rechtschreib-Schwäche) haben zur Folge, dass die Lernprozesse negativ beeinflusst werden. Die Häufigkeit der beiden letzteren Ursachen liegt jedoch bei jeweils unter 7 Prozent. Diese Schwächen lassen sich auch nicht durch eine gewöhnliche Nachhilfe beseitigen, sondern müssen gezielt betreut werden.

Collage Leistungsdruck
Leistungsdruck, Mobbing und Stress in der Familie können die Noten erheblich beeinträchtigen

 

Nachhilfeunterricht wird zunehmend beliebter

Das Mittel der Nachhilfe, um Defizite aufzuarbeiten, gewinnt an Popularität. Die Anzahl der Schüler und Schülerinnen, die Nachhilfeunterricht nehmen oder bereits bekommen haben, nimmt stetig zu. Das liegt zum einen daran, dass es heutzutage immer erforderlicher wird, gute Noten für einen guten Abschluss zu haben, der wiederum für den zukünftigen Jobmarkt von großer Bedeutung ist. Zum anderen wird es Eltern jedoch auch ebenso zunehmend wichtiger, dass ihre Kinder Spaß am Lernen haben, gern zur Schule gehen und sich nicht durch die Schulstunden und Klassenarbeiten quälen müssen. Gerade in Mathe werden die Defizite vergangener Schuljahre in die nächsten mitgeschleppt und die Lücke wird immer größer. Doch auch Deutsch und Englisch stehen in der Nachfrage an außerschulischer Unterstützung ganz oben. Ein weiterer bedeutender Faktor ist, dass Eltern früher reagieren. Nachhilfe wird nicht erst genutzt, wenn die Versetzung auf der Kippe steht, sondern bereits wenn erste Defizite erkennbar sind. Doch wann ist das genau?

Checkliste: Ist eine Lernförderung erforderlich?

  • Sind die Leistungen des Kindes nach einem Klassen-, Lehrer oder Schulwechsel stark zurückgegangen?
  • Braucht der Nachwuchs für die Hausaufgaben ungewöhnlich lange und ist er oft mit ihnen überfordert?
  • Kommt das Kind im Unterricht nicht gut mit, weil es große Wissenslücken hat?
  • Sind die Noten nur in einem oder zwei Fächern schlecht, aber in den anderen zufriedenstellend?
  • Ist die Versetzung in die nächste Klasse gefährdet?
  • Weiß der Sprössling nicht, wie er selbstständig lernen soll?
  • Kommt das Kind den Erklärungen im Unterricht nicht hinterher, ist es zu langsam oder versteht gar nichts?

Was Eltern tun können

Wenn der Nachwuchs Hilfe benötigt, bieten sich mehrere Möglichkeiten an. Es ist auf keinen Fall ratsam, als Elternteil – auch wenn man eine Lehrausbildung absolviert hat – die Nachhilfe selbst zu geben. Die emotionale Nähe zum Kind ist in diesem Fall ein Hindernis, die notwendige Geduld kann meist nicht aufgebracht werden. Eltern können den Nachhilfeunterricht, ob er über ein Institut oder privat erfolgt, dennoch unterstützen. Zum Beispiel können sie Lernspiele besorgen oder Aufgaben in den Alltag einbauen (“Wie viel kosten die 6 Brötchen zusammen?”; “Ich habe 10 Gummibärchen, dein Bruder bekommt die Hälfte, wie viel bekommst du?”), zusammen einen Kinderfilm oder ein Buch auf englisch gucken oder auch spezielle Computerspiele besorgen, die mathematische oder sprachliche Fähigkeiten fördern. Liegen die schlechten Noten an fehlender Konzentration, bieten sich Übungen diesbezüglich an, die fest in den Tag integriert werden können. So kann man zum Beispiel am späten Nachmittag eine halbe Stunde für Aufmerksamkeitsübungen fest einplanen.

 

Kinder am Computer
Inzwischen haben Eltern eine große Auswahl an Computerlernspielen

 

Privater Nachhilfeunterricht

Privater Nachhilfeunterricht ist noch immer die Nummer Eins, wenn Eltern für ihre Kinder außerschulische Unterstützung suchen. Zum einen kann der/die NachhilfelehrerIn individuell auf die Persönlichkeit des Kindes abgestimmt ausgesucht und, wenn die Chemie zwischen beiden nicht stimmt, ausgetauscht werden. Zum anderen gibt es keine Mindestlaufzeiten oder Kündigungsfristen. Ein weiterer Vorteil ist, dass sich Kinder eher trauen, öfter nachzufragen und auch “dumme” Fragen zu stellen, wenn der Altersunterschied zum Betreuenden nicht sehr hoch ist. Zudem muss der Nachwuchs nicht auch noch den Nachmittag in einer schulischen Umgebung verbringen, was sich wiederum auf die Motivation positiv auswirkt.

Für den privaten Unterricht fallen durchschnittlich 10-15 Euro für 45-60 Minuten an. Das Honorar variiert dabei nach Ausbildung und Erfahrung des Lehrers oder der Lehrerin und wird individuell festgelegt.

Wenn ihr eine/n NachhilflehrerIn sucht, achtet darauf, dass er oder sie zum Kind passen und gegenseitige Sympathie vorhanden ist. So geht das Lernen fast von ganz alleine und macht mehr Spaß. Natürlich sollte auch der Eindruck bei den Eltern stimmen und eine gewisse Fachkompetenz vorhanden sein. Wir empfehlen, ein bis zwei Probestunden zu vereinbaren und danach zu entscheiden, ob die Suche weitergeht oder die ideale außerschulische Betreuung für den Nachwuchs gefunden ist.

 

Collage mit Buntstiften
Mit Spaß werden die Noten wie von selbst besser

 

Lernförderung am Institut

Über 3000 gewerbliche Nachhilfeinstitute gibt es inzwischen in Deutschland. Marktführer sind dabei Schülerhilfe und Studienkreis, die je etwa 1000 Niederlassungen haben. Hier kann das Kind Einzelunterricht bekommen oder – in den meisten Fällen – in einer Gruppe von bis zu 5 SchülerInnen den gelernten Schulstoff vertiefen. Der Vorteil dieser Variante ist, dass ausgebildete Pädagogen zur Verfügung stehen und das Lernen in der Gruppe meist leichter fällt. Neben dem Spaßfaktor sehen Kinder, dass die anderen auch Fehler machen, was wiederum das Selbstbewusstsein stärkt.

Die meisten Institute haben eine Mindestvertragslaufzeit von einem halben Jahr. In der Regel findet der Unterricht zweimal in der Woche statt, dauert jeweils 90 Minuten und wird, Branchenangaben zufolge, etwa 12 bis 14 Monate in Anspruch genommen. Hierfür müssen Kosten in Höhe von 7 – 32 Euro für den Gruppenunterricht und 16 – 64 Euro für den Einzelunterricht eingeplant werden. Die genaueren Angaben schwanken von Anbieter zu Anbieter.

Bevor ihr euch an einem Institut anmeldet, solltet ihr die angebotenen Probestunden nutzen. Bringt in Erfahrung, welche Referenzen das Lehrpersonal hat, wie groß die Gruppen sind, welche Räumlichkeiten zur Verfügung stehen und welche Hilfsmittel und Materialien bereits vorhanden sind und was mitgebracht werden muss.

Wie oft und wie lang sollte Nachhilfe sein?

Auch wenn die Noten schlecht sind: Kinder brauchen Freizeit und einen Ausgleich zum Leistungsstress. Deshalb sollte der Nachhilfeunterricht maximal zweimal pro Woche stattfinden und die Ferien außen vor gelassen werden. In besonderen Fällen könnt ihr darüber nachdenken, ob die Nachhilfe zum Ende der Ferienzeit wieder aufgenommen wird, um den Start ins neue Schuljahr zu erleichtern. Eine Ausnahme bilden Krankheitsphasen. War der Nachwuchs längere Zeit krank und muss den gesamten Schulstoff nachholen, kann eine Unterstützung in der Ferien (und natürlich in der Schulzeit) sehr hilfreich sein.

Im Normalfall reicht es, den Nachhilfeunterricht über einige Monate in Anspruch zu nehmen, jedoch nicht länger als ein Jahr. Die Noten haben sich dann bereits um ein, zwei Stellen nach oben verschoben. Dauert die Hilfe zu lang, besteht die Gefahr, dass das Kind seine Selbstständigkeit einbüßt.

 

Kinder am Karussell
Zeit zum Spielen muss immer bleiben

Die Kostenregelung

Nachhilfe muss normalerweise aus der eigenen Tasche bezahlt werden und kann nicht von der Steuer abgesetzt werden. Es gibt jedoch Sonderregelungen. Ist durch einen Jobwechsel der Umzug an einen neuen Ort notwendig und damit ein Schulwechsel verbunden, können die Kosten für den Nachhilfeunterricht als Werbungskosten in der Steuererklärung eingetragen werden. Das gilt allerdings nur, wenn das Kind Probleme hat, in der neuen Schule den Lernanschluss zu finden und der Umzug als berufliche Notwendigkeit nachgewiesen werden kann (wenn sich beispielsweise der Arbeitsweg um 60 Minuten verkürzt).

Eine weiterer Ausnahmefall gilt für Kinder mit Legasthenie. Die Nachhilfe-Kosten können in dieser Situation als außergewöhnliche Belastung geltend gemacht werden. Hier ist es wichtig zu wissen, dass ein amtsärztliches Attest bereits im Vorfeld die Erforderlichkeit des Unterrichts nachweist. Wenn die Kosten dann den Betrag der “zumutbaren Eigenbelastung” übersteigen, hat man bei der Steuererklärung gute Chancen.

Auch im Rahmen von Hartz IV können die Kosten für die Lernförderung übernommen werden. In diesem Fall ist es Voraussetzung, dass die Versetzung des Kindes gefährdet ist und es sich nicht nur um den Wunsch nach einer allgemeinen Verbesserung der Zensuren handelt. Sind alle weiteren Möglichkeiten, wie zum Beispiel Förderangebote der Schule, ausgeschöpft, könnt ihr die Nachhilfekosten vollständig vom Leistungsträger übernehmen lassen. Wird das Kind trotz Hilfe nicht in die nächsthöhere Klasse versetzt, kann das Jobcenter die Zahlungen jedoch zurückerstatten.

Alleinerziehende dürfen auch mit geteiltem Sorgerecht allein entscheiden, wo und welcher Nachhilfeunterricht in Anspruch genommen wird. Die Kosten müssen dann vom unterhaltspflichtigen anderen Elternteil anteilig übernommen werden (OLG Düsseldorf, Urteil vom 8. Juli 2005, Az. II-3 UF 21/05).

Welche Erfahrung habt ihr mit dem Nachhilfeunterricht gemacht? Überlegt ihr, ob euer Kind diese Lernförderung braucht oder habt ihr sie bereits in Anspruch genommen? Gebt ihr vielleicht selbst Nachhilfeunterricht?

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