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Waldorfschule – Ein alternatives Schulkonzept

Die Entscheidung, wo man seine Kinder am besten einschulen soll, ist meist sehr schwierig und ein langwieriges Thema. Fühlen sich die Kids an staatlichen Schulen wohler oder an einer privaten Schule? Soll es eine Schule mit Spezialisierungen in Kunst, Musik oder Sport sein? Oder doch eher eine freie Schule wie beispielsweise die Waldorfschule?

Vorab lest ihr euch bestimmt schon viel zu dem Thema durch und holt euch Erfahrungsberichte ein oder besucht sogar selbst schon mal die Schulen, die in Frage kommen würden. Am besten ist es, die Kids gleich bei der Entscheidung mit einzubeziehen, da diese ja am Ende für mindestens 10 und höchstens 13 Jahre dort lernen und sich wohlfühlen sollen. Allerdings ist es auch möglich, das Waldorfschüler beispielsweise nach der 4. Klasse auf eine staatliche Schule wechseln können oder auch Quereinsteiger von anderen Schulen können jeder Zeit in die Waldorfklasse integriert werden.

In diesem Blogbeitrag möchte ich euch einen kurzen Überblick des Waldorfschulkonzepts vorstellen:

Besonderheiten des Lernens an einer Waldorfschule

Was genau ist eigentlich eine Waldorfschule bzw. Waldorfpädagogik und wer kam auf die Idee dieses alternativen Schulsystems?

Die Waldorfpädagogik wurde von Rudolf Steiner ins Leben gerufen. Zusammen mit Emil Molt gründete er in Stuttgart 1919 die erste Waldorfschule. Seine Idee hinter dem Schulkonzept war, die Kinder nicht durch Druck auf bestmögliche Leistung zu trimmen, sondern viel mehr auf deren individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten einzugehen. Dabei sollen Kinder in den Bereichen Intellektualität, Kreativität und Handwerk gefördert werden. Er beschrieb das als „Dreigliedrigkeit des Menschen“ im „Denken, Fühlen und Wollen“. So sollen Kinder sich Lerninhalte auch selbstständig und mit eigenem Interesse erarbeiten und Lehrer unterstützen diese dabei. Der Frontalunterricht wird somit aufgelockert und Kinder haben zusätzlich zu herkömmlichen Fächern, auch Unterricht in künstlerischen und handwerklichen Gebieten. Durch verschiedene Praktika ab der 9. Klasse an der weiterführenden Waldorfschule haben Kinder die Möglichkeit, Einblicke in bestimmte Berufe zu bekommen und sich auf die Berufswelt nach der Schulzeit vorzubereiten.

Welche Schulabschlüsse können an Waldorfschulen erreicht werden?

An Waldorfschulen lernen Kinder in den ersten 8 Jahren zusammen. Danach besteht für Kinder die Möglichkeit, je nach Schule, einen Haupt- und Realschulabschluss oder Fachhochschulreife oder Abitur zu erlangen. Um das Abitur zu bekommen, gibt es an Waldorfschulen das 13. Schuljahr. Nach der 12. Klasse können Schüler einen extra Waldorfschulabschluss erreichen, bei dem ihre individuell entwickelten Kompetenzen in den künstlerischen Bereichen und Projekt- oder Jahresarbeiten präsentiert und geprüft werden. Ab der 10. Klasse werden Waldorfschüler benotet und somit ist beispielsweise das Abitur genauso gleichwertig, wie der Abitur-Abschluss an einer anderen Schule.

Wie könnte ein Lehrplan an einer Waldorfschule gestaltet sein?

Der Lehrplan von Waldorfschulen ist von Schule zu Schule unterschiedlich, genau wie bei staatlichen Schulen auch. Allerdings gibt es ein Grundgerüst, welches die Ideologie und den Grundgedanken der Waldorferziehung wiederspiegeln soll. So sind Eurythmie, Handarbeit, Theater und Gartenbau ebenso feste Bestandteile des Lehrplans, wie auch Mathematik und verschiedene Sprachen.

Bildausschnitt eines Lehrplans an Waldorfschulen

Beispiel eines Lehrplans an Waldorfschulen

 

Kostet es etwas, damit mein Kind dort zur Schule gehen kann?

Ja, Waldorfschulen verlangen einen gewissen Anteil an Schulgeld. Dieser wird allerdings individuell nach dem Einkommen der Eltern berechnet, sodass jedes Kind die Chance hat, diese Art von Schule zu besuchen.

Was ist der sogenannte „Epochenunterricht“?

Epochenunterricht bedeutet, dass die Kids jeden Morgen an einem Fachgebiet arbeiten. So wird beispielsweise das Fach Deutsch vier Wochen lang fokussiert und in den folgen Wochen ist es dann ein anderes Hauptfach. Da sich diese Arbeitstechnik im jeweiligen Fachgebiet über mehrere Wochen erstreckt, können einzelne Themen intensiver bearbeitet werden und es entsteht kein kurzes Anreißen innerhalb der Unterthemen dieses Fachgebietes.

Was ist Eurythmie?

Eurythmie ist eine Bewegungskunst, bei der Töne und Sprachlaute tänzerisch oder in Form von anderen Bewegungen dargestellt werden. Dieses Fach begleitet Waldorfschüler durch deren ganze Schullaufbahn.

Ist der Wechsel auf eine staatliche Schule möglich?

Kinder, die von einer Waldorfschule auf eine staatliche Schule wechseln wollen, können dies fast problemlos tun. Umgekehrt können auch Schüler, die vorher auf einer anderen Schule waren, als Quereinsteiger beliebig in eine Klasse einer Waldorfschule einsteigen. Auch ein Schulwechsel ist von Schule zu Schule unterschiedlich und so müssen Kinder eventuell einen Test ablegen oder es werden Gespräche mit Direktoren und Klassenlehrern geführt.

Vor- und Nachteile einer Waldorfschule im Überblick

Vorteile:

  • Förderung persönlicher Interessen und Stärken
  • Leistungsdruck wird weitestgehend keinem Raum gegeben
  • Waldorfschulen sind für alle Kinder zugänglich, auch für Quereinsteiger
  • Förderung künstlerischer und sozialer Fähigkeiten
  • Persönliche Beurteilung jedes Schülers, anstatt Noten
  • Gemeinschaftlich lernen, ohne jemanden dabei auf der Strecke zu lassen
  • Alle Abschlüsse können erreicht werden
  • Verschiedene Absolvierungen von Praktika als Vorbereitung auf die Berufswelt
  • Gleicher Klassenlehrer für mindestens 6 bis 8 Schuljahre

Nachteile:

  • Schulgeld muss gezahlt werden
  • Gleichbleibender Klassenlehrer
  • zu grobe und nicht transparente Lehrpläne, weil Schulbücher nicht zum Einsatz kommen

 

Am Ende solltet ihr, als Eltern, verantwortungsbewusst handeln. Findet heraus, welches Schulsystem das beste für eure Kids ist. Neben dem Waldorfkonzept gibt es Deutschland weit auch noch einige andere Schulmodelle, die ein wenig von der Standardnorm abweichen und als „Freie Schulen“ bezeichnet werden. So zum Beispiel auch das Konzept von Montessorischulen oder der Freinet-Pädagogik.

 

Hier könnt ihr euch weiter zu dem Thema Waldorfschule belesen:

http://www.waldorfschule.de

https://www.tutoria.de/schule-ratgeber/waldorfschule

https://www.welt.de/wissenschaft/article109484661/Namen-tanzen-fit-in-Mathe-Waldorf-im-Vorteil.html

http://www.stylejournal.de/gesellschaft/bildung/waldorfschule-pro-und-contra

https://www.tutoria.de/schule-ratgeber/alternative-schulsysteme

2 comments on “Waldorfschule – Ein alternatives Schulkonzept

  1. Hallo :)

    sehr nett geschrieben, allerdings muss ich einem aufgelisteten „Vorteil“ widersprechen:
    der Unterricht ist sehr wenig auf individuelles Lernen ausgelegt und das auch mit Absicht.
    Als Waldorflehrerin ( Klassenlehrerin) kann ich das gern bei Bedarf begründen, stehenlassen möchte ich es unkommentiert nicht, denn es ist missverständlich.

    Viele Grüße
    Anne Kochbeck

  2. Hey Liebe Anne,

    Vielen Dank für deinen Kommentar und Hinweis. Ich werde es anpassen.

    Liebe Grüße
    Rike

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