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Erfahrungsbericht Logopädie

Manche stottern, andere lispeln: Sprechprobleme bei Kindern sind vielfältig. Im Kindergartenalter empfehlen Kinderärzte schon deshalb häufig eine logopädische Behandlung, um dem Kind später in der Schule Hänseleien der Mitschüler zu ersparen. Auch ich bin über ein Jahr lang mit meinem Sohn zur Logopädie gegangen und kann euch somit aus erster Hand berichten.
Kind beim Üben mit der Logopädin
Logopädie-Sitzung in der Praxis von Anne Meurer in Berlin

Wie Aussprachefehler entstehen können

Das Problem war, dass er, wahrscheinlich durch mehrere Erkältungen bedingt, längere Zeit nur ungenau hören konnte und sich leider die meisten Konsonanten falsch angeeignet hat. Statt „Kindergarten“ kam ein „Binnergarten“ heraus, ein Wort wie „Lichtschwert“ stellte den kleinen Star Wars-Fan vor ein unüberwindliches Hindernis und selbst seinen eigenen Namen, der nun mal ein R enthält, konnten Fremde nur mit viel Fantasie erraten. Bei allem Frust darüber, oft nicht verstanden zu werden, hat sich zum Glück trotzdem keine Sprechhemmung eingestellt, wie es bei vielen Kindern passiert. Im Gegenteil, er plapperte immer fröhlich drauf los und vertraute auf die Geduld und Kombinationsgabe der Erzieherinnen und seiner Freunde, denen seine seltsame Ausdrucksweise schon bald gar nicht mehr auffiel. Als der Kinderarzt mich zum ersten Mal darauf ansprach, war es für eine sinnvolle Behandlung noch zu früh. Aber als der Kleine dann vier Jahre alt wurde, konnten wir anfangen, die Fehler zu beheben.

Wie die Logopädie-Behandlung funktioniert

Mit der Verordnung vom Kinderarzt über die ersten 10 Behandlungseinheiten suchten wir eine gut erreichbare Logopädin auf und vereinbarten die wöchentlichen Termine für 17:00 Uhr,  nach dem Abholen vom Kindergarten. Das war zwar schon etwas spät am Tag, klappte aber trotzdem gut, denn mein Sohn ging von Anfang an gerne hin. Für ihn war das einfach eine spannende neue Freizeitaktivität. Im Behandlungszimmer gab es tolle Spielsachen, von der Ritterburg bis zu Gesellschaftsspielen. Und die kamen auch wirklich jedes Mal zum Einsatz. Mit einem so kleinen Kind hätte stures Üben einfach nicht funktioniert, aber die Logopädin hatte immer eine neue Spielidee auf Lager. Beim Spielen hat sie dann ganz besonders deutlich gesprochen, korrigiert und wiederholt. Überrascht hat mich, wie viel Wert auf das genaue Hören gelegt wurde. Heißt es jetzt Kanne, Tanne, Laus oder Maus? Welche Tiere haben ein K in ihrem Namen? Das Zuhören nahm mindestens einen ebenso großen Raum in Anspruch wie das selbstständige Üben der richtigen Aussprache. Manchmal packte mich das schlechte Gewissen, denn eigentlich hätte man die meisten dieser Übungen mit genügend Zeit und Geduld auch selbst mit dem Kind machen können. Andererseits ist die Aufmerksamkeit der Kinder bei einer fremden Person einfach viel größer. Kleine Hausaufgaben haben wir allerdings immer wieder bekommen. Besonders wichtig ist dabei, dass der Spaß nicht zu kurz kommt und Geschwister, die selbst keine Sprechprobleme haben, nicht anfangen, sich über die Übungen lustig zu machen. Denn wenn das passiert, sind Motivation und Selbstvertrauen leider ganz schnell weg. Ohnehin ist den betroffenen Kindern durchaus bewusst, dass sie irgendwie anders reden und in Situationen mit Fremden lassen sie dann oft lieber die Eltern oder Geschwister für sich antworten.
Logopädin und Patient bei einer Sitzung
Gesellschaftsspiele helfen bei der Logopädie-Behandlung

Wie man den Erfolg der Logopädie zu Hause unterstützen kann

Ohne zuviel Druck hat das zusätzliche Üben zu Hause ganz gut funktioniert und neue Laute, die in den wöchentlichen Sitzungen eingeübt wurden, konnten wir damit festigen. Auch Kinder, die noch zu jung für eine logopädische Behandlung sind, kann man mit ganz einfachen Mitteln sehr gut zu Hause fördern. Am wichtigsten ist es natürlich, selbst so deutlich, langsam und gut verständlich wie möglich zu sprechen. Das klingt selbstverständlich, aber im Alltag geht so manche Endung bei jedem mal unter. Und die Gesprächssituation sollte so sein, dass das Kind nicht von anderen Geräuschen abgelenkt ist, sondern sich ganz auf die Formung der richtigen Laute konzentrieren kann. Dabei sollten die Kleinen auch sehen können, welche Mund- und Zungenstellung die Erwachsenen einnehmen, wenn sie einen bestimmten Laut aussprechen. Gesellschaftsspiele und Bilderbücher sind eine gute Möglichkeit, um das Sprachvermögen zu verbessern, ohne dass das Kind sich bewusst in einer Übungssituation befindet. Ideal sind dafür Spiele, bei denen Dinge genau benannt werden müssen, aber auch spezielle Übungsbücher können eine gute Hilfe sein.

Endlich: Die Erfolge der Logopädie-Sitzungen sind unüberhörbar

Die ersten Erfolge stellten sich recht schnell ein, auch weil die schwierigsten Laute aus Motivationsgründen zuletzt dran kamen. Jeder richtige Konsonant war zwar ein echtes Erfolgserlebnis, aber deshalb noch lange nicht selbstverständlich im Alltag, wenn die richtige Aussprache im Eifer des Gefechts dann doch wieder unterging. Nach und nach, mit viel Erinnern und Loben, aber möglichst wenig Korrigieren, haben wir dann sogar das R geschafft! Erst mit Wasser, wie beim Gurgeln, dann, endlich, auch als Trockenübung.
Insgesamt hatten wir 4 Logopädie-Verordnungen, also 40 Sitzungen, was für mich als Mama hieß: 40 mal 45 Minuten im Wartezimmer Zeit totschlagen und durch die Tür lauschen. Aber es hat sich gelohnt: Die Einschulung steht vor der Tür und sprachliche Probleme wird es aller Wahrscheinlichkeit nach nun nicht mehr geben. Das hätten wir mit reinem Üben zu Hause wohl nicht geschafft oder zumindest viel zu viele Nerven dabei geopfert. Ab und zu schleicht sich aus Gewohnheit noch immer ein Aussprachefehler ein, aber beim zweiten Versuch klappt es dann. Die übrigen Vorbereitungen für die Einschulung waren verglichen damit eine schnelle und leichte Übung. Die Schule kann also kommen!

3 comments on “Erfahrungsbericht Logopädie

  1. Danke für den informativen Artikel. Besonders der Hinweis das auch Zuhause weiter gearbeitet werden sollte, spricht mir als Logopädin aus dem Herzen. lg

  2. Meine kleine Nichte hat auch einige Aussprachefehler. Gut zu wissen, dass es Logopäde gibt, die Kindern bzw. Erwachsenen helfen können, ihre Aussprache zu verbessern. Diese Erfolgsgeschichte gab mir Hoffnung, dass meine Nichte schafft auch.

  3. Vielen Dank für die Beschreibung der Therapie! Ich habe für meine Tochter nächsten Monat die erste Einheit vereinbart und es hilft eine Vorstellung zu haben, was auf uns zukommt. Dass die Geschwister nicht anfangen sollten, sich lustig zu machen, hatte ich noch gar nicht bedacht. Ich denke nicht, dass es ein Problem werden sollte, aber ich werde darauf achten, keinerlei Witze über die Übungen zu machen, sondern den Spaß in den Vordergrund zu stellen. Danke! LG, Michel

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