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Kinderarmut in Deutschland

Mit Kinderarmut bringen die meisten von uns die aus dem Fernsehen bekannten Bilder aus den Entwicklungsländern in Verbindung. Gerne ist man bereit, den einen oder anderen Euro zu spenden, um das Elend der Armen ein wenig zu mildern. Schließlich tut es einem selbst nicht weh und man möchte gerne helfen, wo es einem hier im Reichtum doch so gut geht. Das ist gut und wichtig! Doch manchmal ist Hilfe auch in der direkten Nachbarschaft nötig. Denn es gibt sie: die armen Kinder in Deutschland. Sie sitzen nicht in zerlumpter Kleidung bettelnd auf der Straße. Manchmal müssen sie nicht mal hungern und sind nicht obdachlos. Gut geht es ihnen deshalb trotzdem nicht. Es geschieht direkt vor unserer Tür und es betrifft eines der wirtschaftsstärksten Länder der Welt. Wie kann das sein?

Das ist Kinderarmut in Deutschland

Im Vergleich zu Hunger und Elend auf der Welt, geht es deutschen armen Kindern natürlich wesentlich besser als armen Kindern in Ostafrika und Zentralafrika mit den ärmsten Ländern der Welt. Ganz vorne in der Liste der ärmsten Regionen Europas steht der Balkan mit Rumänien und Kroatien. Doch es gibt auch Armut in Deutschland – und sie wächst stetig, wie der offizielle Armutsbericht 2017 zeigt.

Kinderhände verschiedene Nationen
Egal welche Hautfarbe: Kinderarmut betrifft jeden!

Wie sieht Armut in Deutschland für Kinder aus? Arme Kinder leben auch hier in beengten Verhältnissen, haben ungenügend Zugang zu gesunder Ernährung, geringere Bildungschancen und meist wenig Möglichkeiten, ihre Freizeit kindgerecht zu gestalten. Es ist ein ewiger Kreislauf, aus dem die Betroffenen nur schwer ausbrechen können. Das sieht man u.a. an dem Phänomen der Hartz-4-Generationen, in denen die Kinderarmut an die eigenen Kinder und die Enkelkinder weitervererbt wird.

Deutschlands arme Kinder: Statistiken statt Gesichter

Einmal arm, immer arm: 21 Prozent aller Kinder in Deutschland, die in arme Verhältnisse geboren werden, bleiben für 5 oder mehr Jahre dauerhaft arm oder leben in wiederkehrenden Armuts-Verhältnissen. Nur 10 Prozent der armen Kinder leben kurzzeitig in armen Verhältnissen. Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung fasst deshalb zusammen: „Kinderarmut ist in Deutschland ein Dauerzustand. Wer einmal arm ist, bleibt lange arm. Zu wenige Familien können sich aus Armut befreien.“ In konkreten Zahlen heißt das: jedes 5. Kind in Deutschland ist arm. In Ostdeutschland ist es sogar jedes 4. Kind. Das sind etwa 2,5 Millionen arme Kinder von 12,9 Millionen Kindern und Jugendlichen in ganz Deutschland.

Auch in Deutschland wird die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer

Wen betrifft Kinderarmut am meisten?

Von großer Armut betroffen sind Familien, die mit weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommens (derzeit liegt dieses bei etwa 3.200 Euro netto) auskommen müssen bzw. Grundsicherung erhalten. Darunter sind diese Gruppen von Kindern besonders häufig von Armut bedroht: Kinder von Alleinerziehenden, Kinder mit mindestens 2 Geschwistern und Kinder von Eltern, die nur gering beruflich qualifiziert sind.

Der Verzicht aus Gründen der Geldnot ist ein stetiger Begleiter der betroffenen Kinder. Und führt damit schnell in allen Bereichen zur Ausgrenzung. Das fängt bei frischen und gesunden Nahrungsmitteln an, geht über günstige modische Kleidung, betrifft die gesamte Freizeitgestaltung und natürlich auch den Zugang zu Bildung. „Wer schon als Kind arm ist und nicht am gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann, hat auch in der Schule nachweisbar schlechtere Chancen. Das verringert die Möglichkeit, später ein selbstbestimmtes Leben außerhalb von Armut zu führen.“ (Jörg Dräger, Vorstand Bertelsmann-Stiftung). Ist das Familienleben von einer anhaltend schweren wirtschaftlichen Lage geprägt, wirkt sich das laut Statistik auf die schulischen Noten, die Höhe des Schulabschlusses und die Gesundheit des Kindes aus.

Kuscheltier auf Schienen
Chancengleichheit? Kinderarmut ist oft eine Einbahnstraße

Mögliche Wege aus der Kinderarmut

Damit Kinderarmut in Deutschland bekämpft werden kann, muss die Politik die großen Themen angehen: Eine Familienpolitik mit einer bedingungslosen Kindergrundsicherung, ein familienfreundlicher Arbeitsmarkt, eine kinder- und familientaugliche Infrastruktur auf dem Land wie in der Stadt sowie die Reformierung des Bildungssystems sind wohl einige der wichtigsten Punkte, die auf diesem Weg angegangen werden müssten.

Um das Thema an die Öffentlichkeit zu bringen, findet am 12. Mai 2018 um 14 Uhr vor dem Brandenburger Tor in Berlin eine Familiendemo zur Kinderarmut statt. Der Titel „Es reicht für uns alle“ ist gleichzeitig Programm und Aufruf zur gesellschaftlichen, sozialen und politischen Veränderung.

Auch wir von tausendkind möchten Zeichen setzen. Deshalb wird es Ende Juni einen Charity-Flohmarkt von uns geben. Hierfür öffnet unser Lager seine Tore und stellt eine Vielzahl wunderbarer Artikel aus unserem Shop bereit, die für kleines Geld erworben werden können. Der Erlös kommt – natürlich – Kindern zu Gute! Derzeit laufen die Vorbereitungen für diesen tollen Event auf Hochtouren. Wir werden euch beizeiten auf dem Laufenden halten, wo und wann genau unser tausendkind Charity-Flohmarkt stattfinden wird!

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