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Zeitmanagement mit Kindern

Ist man ungebunden und ohne Familienanhang, muss man sich nur um sich selbst kümmern. Ein geradezu himmlischer Zustand – rückblickend betrachtet. Aus der Sicht einer Mehrfach-Mutter, haben Kinderlose einen sehr entspannten Alltag. Themen wie Stressvermeidung und Zeitmanagement sind jedoch für jeden relevant. Denn oft wird man geradezu von einer stressigen Lebenssituation überrollt und merkt erst später, was man hätte anders machen können. Das zumindest ist auch der Fall, wenn die Hauptverursacher für den unruhigen Zustand die eigenen Kinder sind. Genau darum soll es nun auch in diesem Artikel gehen: Wie manage ich als Elternteil die Zusatzbelastungen im Familienalltag? Gibt es Strategien, die mich mit stressigen Situationen besser umgehen lassen? Und wie vermeidet man es als Mutter oder Vater, in die „Kinder-Stress-Falle“ zu tappen?

Frau im Stress
Im Alltag mit Kindern fühlen sich Eltern manchmal von den vielen Verpflichtungen überfordert

Ganz anders als vorher: Das Leben mit Kindern

Ein gutes und durchdachtes Zeitmanagement kann dabei die Lösung sein. Wer vor dem Kinderkriegen schon ein strukturierter Mensch war, wird es vermutlich auch mit Kindern im Alltag leichter haben, als der verwirrter Chaos-Typ. Das ist jedoch keine Garantie – wie ich leider aus eigener Erfahrung weiß. Denn es gibt Situationen im Leben mit Kindern, die einem einfach den allerletzten Nerv rauben und schlichtweg auch den ruhigsten Zeitgenossen auf die Palme bringen. Nehmen wir zum Beispiel einige der anstrengendsten Zeitabschnitte in der Entwicklung unserer Kinder: Der Babyzeit mit unstillbaren Schrei-Attacken, der Trotzphase mit sich auf den Boden schmeißenden Kleinkindern und der pubertären „du-hast-mir-nichts-zu-sagen“- und Nullbock-Phase. Wie man es schafft, diese Zeiten durchzustehen? Mit einer zusätzlichen Portion Gelassenheit, indem man sich und seine Umwelt nicht allzu ernst nimmt, und einer vorausschauenden Planung, die immer etwaige kleinere Katastrophen im Vorfeld mit einkalkuliert.

Zeitfresser & kleinere Katastrophen

Natürlich gibt es Termine, Verabredungen und Regeln, die auch – und besonders – im Familienalltag zeitlich und organisatorisch sitzen müssen. Die Kinder müssen pünktlich in Kita und Schule und die Eltern auf der Arbeit sein und Arzt- und Behördentermine sollten eingehalten werden. Wenn sich jedoch private Verabredungen um ein paar Minuten verspäten, weil das Kleinkind mal wieder beim Anziehen gebockt hat oder das Lieblingsshirt vom Nachwuchs in der Wäsche ist, dann ist das sicherlich kein Weltuntergang. Doch auch solchen Verspätungen kann in den meisten Fällen entgegengewirkt werden.

Frauenkörper zur Hälfte in Waschmaschine
Ein besseres Zeitmanagement kann dabei helfen, den Überblick im Haushalt und bei der Kinderversorgung nicht zu verlieren

9 Tipps für ein gutes Zeitmanagement

  1. Sich selbst um Zeit berauben
    Ihr wisst, dass ihr um 8 Uhr morgens aus dem Haus müsst und dass es zeitlich ausreicht, wenn ihr dafür eure Kinder um 7 Uhr weckt? Dann belügt euch selbst und tut einfach so, als ob ihr weniger Zeit als tatsächlich zur Verfügung habt. Stellt den Wecker, auch wenn es anfangs schmerzt, 15 Minuten früher und weckt auch eure Kinder früher auf. Ihr werdet sehen: dieser kleine Trick entspannt ungemein und lässt sich auf jeden Termin/jede Verabredung anwenden.
  2. Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen
    Dieser weise Spruch meiner Großmutter ist auch bei kleinen Alltags-Ritualen im Familienalltag praktisch. Das Morgenritual wird beispielsweise sehr entspannt, wenn der Frühstückstisch bereits am Abend zuvor gedeckt wird. Sorgt dafür, dass Schulranzen und Kita-Tasche für den nächsten Tag gepackt und die Kinderklamotten schon bereit gelegt sind. Ihr könnt auch die Pausenbrote schon vorbereiten und im Kühlschrank frisch halten. Das ist quasi Zeitmanagement für Faule!
  3. Kochen und Einkaufen nach Wochenplan
    Das Thema „Familien-Essen“ ist vielen Eltern ein Dorn im Auge, denn es ist der Zeitfresser schlechthin. Zum Glück gibt es den Online-Supermarkt mit Bringservice – diesen kleinen Luxus sollten sich Eltern nach Möglichkeit hin und wieder gönnen. Alternativ lassen sich im Rahmen eines guten Zeitmanagements die ganz großen Familieneinkäufe auch 1 x monatlich erledigen, sodass die Woche über nach der Arbeit nur noch Kleinigkeiten eingekauft werden müssen. Ungemein zeitsparend und zudem noch preisgünstiger ist zudem das Kochen nach einem Wochenplan, der im Vorfeld aufgestellt wurde. Dabei empfiehlt es sich so vorzugehen, dass Reste vom Vortag, wie übrige Kartoffeln/ Gemüse/Eier, bei der nächsten Mahlzeit verwertet werden.
  4. Kinder mit einbeziehen
    Bei der Essensplanung, beim Einkaufen und der Haushaltsführung können die Kinder je nach Alter und Fähigkeit mit eingebunden werden. Das entlastet nicht nur die Erwachsenen, sondern schult auch die Kompetenzen unserer Sprösslinge! Tisch decken, Spülmaschine ein- und ausräumen, Staub wischen, im Supermarkt eine Art Schnitzeljagd veranstalten und die Zutaten von der Einkaufsliste besorgen…alles kann spielerisch erledigt werden und macht dann sicher auch den Kleinen Spaß. Vielleicht lässt sich das bockende jüngere Geschwisterchen ja auch eher von der großen Schwester die Schuhe anziehen, als von einer hektischen Mama?
  5. Extrawünsche berücksichtigen
    Am liebsten essen die Kinder nur blanke Nudeln zu Mittag? Und das aufwendig und liebevoll gekochte Menü mit Gemüse will mal wieder keiner anrühren… Handelt mit euren Kids doch einfach einen Deal aus. Beim gemeinsamen Zusammenstellen des Wochenplans wird im täglichen Wechsel eine andere Lieblingsspeise gekocht. Das sorgt trotz allem für Abwechslung, wirkt dem Küchenfrust vor und optimiert das Zeitmanagement. Und wenn sich das Kleinkind in der Trotzphase die Müslischale und den Lieblings-Trinkbecher selbst aussuchen möchte, dann sollte – im Sinne eines ruhigen und „Schrei-Attacken-freien“-Ablaufes etwas mehr Zeit eingeplant werden.
  6. Feste Zeiten einrichten
    Zeitmanagement im Familienalltag bedeutet auch, den Kindern deutlich zu machen, wann der richtige Zeitpunkt für etwas ist. Beispielsweise kann täglich zwischen 16 und 17 Uhr eine Eltern-Kind-Zeit zum Spielen, Vorlesen und Reden eingerichtet werden. Wenn Mama und Papa jeden Samstagvormittag zwischen 10 und 11 Uhr Hausarbeiten machen, gewöhnen sich auch kleinere Kinder an diesen Tagesrhythmus. Besonders für Kinder sind liebgewonnene Strukturen und Rituale wichtig zur Orientierung. Kinder haben noch kein Zeitgefühl, deshalb ist es sinnvoll darauf zu achten, dass gewisse Prozesse immer gleich ablaufen: Zuerst gibt es Abendessen, dann werden Zähne geputzt und danach folgt die Gute-Nacht-Geschichte. Durch stetes Wiederholen wird einer Ungewissheit entgegengewirkt und das spart am Ende des Tages mal wieder wertvolle Zeit.
  7. Sammeltermine für mehr Effizienz
    Setzt euch mal in einer ruhigen Stunde hin und überlegt, wo ihr in eurem Alltag überall unnötige Zeitfresser eingebaut habt. Ist es wirklich nötig, Kind 1 nach A, Kind 2 nach B und Kind 3 nach C zu kutschieren? Vielleicht lässt sich ja für das eine oder andere Kind ein Sammel-Fahrservice einrichten, der im Wechsel von verschiedenen Elternteilen organisiert wird? Vernetzung mit Gleichgesinnten ist sowieso das Non-plus-Ultra beim Thema Eltern-Entlastung. Zeitersparnis fängt im Kleinen bei gemeinsam eingenommen Mahlzeiten an, geht über festgelegte Uhrzeiten für Badewanne und Dusche, bis hin zum Klamottenkauf. Wer hat schon die Zeit, alle paar Tage los zu gehen, um für ein Kind Schuhe, für ein anderes neue Hosen und für das dritte ein neues Arbeitsheft für die Schule zu besorgen? Wird im Vorfeld besser geplant und auf „Vorrat“ eingekauft, ist alles dann griffbereit, wenn es auch benötigt wird.
  8. Belohnungen einführen und für Transparenz sorgen
    Damit es für Kinder anschaulicher wird, wann etwas zu erledigen ist und jeder in der Familie den Überblick behält, ist das Führen eines Familienkalenders sinnvoll. Hier werden fixe wöchentliche Termine wie Sport- und Musikunterricht, Verabredungen, Kindergeburtstagsfeiern oder auch geplante Überstunden von Mama und Papa eingetragen und sind dadurch für jeden sichtbar. Zusätzlich lässt sich hier festhalten, wer für welche Aufgaben im Haushalt zuständig ist. Für Müll runter bringen oder das Reinigen vom Hamsterkäfig können hier zusätzliche Bonus-Punkte vergeben werden, die kleine Belohnungen nach sich ziehen und dadurch die Kids zum Mithelfen animieren.
  9. Chillen
    Entspannt bleiben, lautet das geheime Mantra scheinbar in sich ruhender Mehrfach-Muttis. Ist es tatsächlich so wichtig, dass ich meinem Kind gerade etwas verbiete und damit einen Trotzanfall riskiere? Was passiert denn wirklich, wenn sich mein Zeitmanagement um 15 Minuten verschiebt? Muss mein Kind wirklich DIESE Hose anziehen, obwohl es lieber mit Kleid und Gummistiefeln in den Kindergarten möchte? Wenn gar nichts mehr hilft, dann einfach tief durchatmen oder im Notfall auch mal kurz das Zimmer verlassen. Kinder merken sofort, ob man mit strenger und ungeduldiger Stimme zu ihnen spricht – und damit ungewollt alles noch schlimmer macht. Besser ist, so zu tun als ob alles in Ordnung ist. Wetten, euer Nachwuchs wird beim nächsten Meckern und Trotzen verwirrt sein, wenn ihr mit einem Lächeln statt Schimpfen reagiert? Oftmals hilft das, die Situation im Vorfeld zu deeskalieren.
Kinder beim Seilziehen
An einem Strang ziehen: Wenn alle zusammenarbeiten geht es schneller – das tut auch der Familie gut

Manchmal lohnt es sich, die eigenen Pläne und Strukturen noch einmal zu überdenken. Vorschriften und Regeln sind wichtig, sollten jedoch für das Kind nachvollziehbar bleiben. Keiner von uns wird gerne zu etwas gedrängt, obwohl er den Sinn dahinter nicht erkennt. Deshalb lautet die abschließende Weisheit für ein entschleunigtes Familienleben: Planen, wo es nötig und sinnvoll ist, um das Zeitmanagement zu optimieren. Und ansonsten: Tempo drosseln, gelassen bleiben und darauf vertrauen, dass die Kinder größer und selbständiger werden! Habt auch ihr noch wertvolle Tipps zur Zeitersparnis im Familienalltag? Wir freuen uns hier über euer Feedback!

 

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