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Geschwisterstreit: Tipps zum Umgang mit streitenden Kindern

Und täglich grüßt das Murmeltier: Ähnlich wie in dem Film fühlen sich viele Eltern beim Thema Geschwisterstreit. Kaum treffen die Kinder aufeinander, liegt auch schon wieder Zoff in der Luft. Für Eltern ist das der reinste Horror, denn ewig streitende Kinder bringen Unruhe in den Familienalltag. Dabei kommt erschwerend hinzu, dass man sich als Elternteil auch beim Streiten nicht aus der Verantwortung ziehen kann. Oder doch? Einige sind der Meinung: „Das sollen meine Kinder unter sich ausmachen.“ Andere fühlen sich genötigt, jeden aufkeimenden Streit zu schlichten und für Harmonie zu sorgen. Doch was ist richtig? Und gibt es einen Weg aus der „Streitfalle“?

Hintergrundwissen: Wozu ist Streit bei Kindern gut?

Durch das Streiten mit Geschwistern erleben Kinder schon früh, dass sie durch aktives Zutun in der Lage sind, Situationen zu verändern. Später als Erwachsener kann das von Vorteil sein wenn es darum geht, mit widrigen Umständen umzugehen. So können Erwachsene konstruktiv nach einer Lösung suchen, statt die Gegebenheiten passiv hinzunehmen. Geschwister streiten sich auch, um sich aneinander zu messen und um ihre Grenzen abzustecken.  Und sie streiten, um sich ihrer Rolle innerhalb der Familie gewiss zu sein. „Nur wenn man Konflikte lösen und Angriffe abwehren kann, gelingt es einem, seine Integrität zu schützen”, so Frau Rether, Familiencoach und Erziehungsberaterin aus Freiburg.

Geschwister-Streit als Voraussetzung für ein friedliches Miteinander

Doch Kinder müssen das Streiten erst lernen. Babys und Kleinkinder schreien ihren Unwillen ungezügelt heraus und zeigen ihrer Umwelt dadurch deutlich, wann ihnen etwas passt und wann nicht. Kindergartenkinder werden auch schon mal handgreiflich und legen sich auch mit Älteren an, um die Situation zu ihren Gunsten zu verändern. Erst mit dem Erwerb der Sprache wird auch das Streiten komplexer. Dann kommen mitunter Ausdrücke und Flüche zum Einsatz, die bislang in der häuslichen Umgebung verboten waren. Doch wie sollen Eltern das Streiten schlichten – und ist das überhaupt hilfreich für die kindliche Entwicklung?

Händeschütteln Kind und Erwachsene
Streit ist wichtig und normal. Genauso wichtig ist es jedoch, sich bald darauf wieder zu versöhnen!

Zunächst einmal die gute Nachricht: mit steigendem Alter der Kinder wird auch der Geschwisterstreit weniger. Am schlimmsten streiten sich Kindergartenkinder und junge Grundschüler.  Bei diesen Streitereien geht es darum dann einzugreifen, wenn Kinder im Streit ihr Gegenüber schlagen oder beleidigen. Kinder müssen lernen, dass es gesellschaftliche Regeln gibt, die auch bei Zorn und Wut nicht überschritten werden dürfen. Besonders kleinen Kindern fällt es jedoch schwer, sich im Streit richtig auszudrücken und das mit Worten zu formulieren, was sie mit Hauen oder Schimpfen viel einfacher ausdrücken können. Deshalb ist Geduld und Konsequenz gefragt, um den Streit von Geschwistern in „humanere“ Bahnen zu lenken. Auch sollten in jeder Familie Regeln aufgestellt werden, was beim Geschwisterstreit noch erlaubt ist und was nicht. Für die einen kann ein „Blödmann“ noch hingenommen werden, während ein „Arschloch“ zu großer Empörung führt. Kinder müssen auch wissen, was es für Konsequenzen hat, wenn sie diese Grenze überschreiten.

Wie sich Eltern bei Geschwisterstreit verhalten können

Damit ihr euch als Eltern nicht zu früh beim Streiten einmischt oder gar für einen der Streithammel Partei ergreift, könnt ihr euch an diesem 4-Stufen-Plan orientieren:

  1. Die Stimmung kippt: was mit einträchtigem Spielen begann, entwickelt sich plötzlich zu einem Geschwisterstreit. Der eine will etwas, der andere aber nicht. Auch wenn es schwer fällt sollten Eltern den Kindern die Möglichkeit geben, die Situation von alleine zu lösen. Nur dann haben eure Kinder auch die Chance, ihre Eigenständigkeit und Eigenwirksamkeit zu erleben und weiter zu entwickeln.
  2. Wenn Beleidigungen und Tränen dazu kommen, ist es für euch als Eltern Zeit, sich vorsichtig einzumischen. Wichtig ist die Frage nach dem Grund für den Streit. Eltern sollten keine Partei ergreifen sondern versuchen, beide Standpunkte zu verstehen und das auch so kommunizieren. Gleichzeitig müssen die Kinder an die Familienregeln erinnert werden, die es auch beim Streiten einzuhalten gilt! Anschließend folgt ein konstruktiver Vorschlag zur Lösung, den die Kinder dann selbst in die Tat umsetzen können.
  3. Wird gerangelt und werden Kinder handgreiflich, müssen die beiden Streitenden zuerst voneinander getrennt werden. Anschließend solltet ihr als Eltern verbal äußern, wie sich euch die Situation darstellt. Dadurch bekommen die Kinder einen anderen Blick auf das Geschehen, z.B. „Ihr tut euch aber gerade wirklich weh – das ist doch kein Spiel mehr!“ Den Kindern sollte vermittelt werden, dass eine körperliche Auseinandersetzung nie die Lösung ist.
  4. Wenn gar nichts mehr hilft, müssen die Kinder räumlich voneinander getrennt werden und sich in ihren Zimmern beruhigen. Sind einige Minuten vergangen und ist Ruhe eingekehrt, setzen sich am besten alle nochmal zusammen, um die vorangegangene Situation zu besprechen. Dabei sollte es jedoch nicht um Schuldzuweisungen gehen, sondern um Hilfestellungen. Dann gelingt es den Kindern leichter, das nächste Mal in einer ähnlichen Situation besser zu reagieren. Eventuell wollen eure Kinder nach einem heftigen Streit Trost und Verständnis. Doch es kann genauso gut sein, dass alles so schnell wieder vergangen ist, wie es begonnen hat. Oft spielen Kinder schon kurze Zeit nach einer Streiterei wieder friedlich miteinander, als sei nie etwas gewesen.
Frau und Junge
Streiten will gelernt sein. Trost und Verständnis von den Eltern helfen, mit Niederlagen umzugehen.

Der Umgang mit Emotionen

Wenn ihr als Eltern beim Streiten schlichten müsst ist es wichtig, zunächst für Ruhe zu sorgen. Sicher wisst ihr: Gegen brüllende Kinder anzuschreien bringt nichts und verschärft die Situation nur unnötig. Hilfreich ist zudem, immer in Kommunikation und – wenn es die Kinder zulassen – auch in körperlichem Kontakt durch Trösten, auf den Arm nehmen etc. zu bleiben. Anschließend kann dann in Ruhe über die Situation geredet werden. Euer Kind tut sich schwer über seine Gefühle zu sprechen? Das kann verschiedene Gründe haben. Zum einen, weil es seine Emotionen nicht in Worte fassen kann. Oder weil sie sich nur schwer jemandem anvertraut. Dann probiert doch mal, ob ein Sorgenfresser etwas für euren Sprössling ist.

Die Hauptaufgabe der Eltern beim Geschwisterstreit besteht darin, die Konfliktfähigkeit der Kinder zu schulen. Kinder müssen lernen, was in der Auseinandersetzung mit anderen erlaubt ist und was nicht. Außerdem ist es für das spätere Leben hilfreich, wenn Kinder die Erfahrungen machen, auch mal im Streit als Verlierer da zu stehen. Nur wer sowohl das Gewinnen UND das Verlieren kennt, wird später als Erwachsener in der Lage sein, mit Niederlagen positiv umzugehen und sie als Antrieb zur Verbesserung und eigenen Entwicklung zu nutzen. Auch hier seid ihr als Eltern ein einprägsames und wichtiges Vorbild in der kindlichen Erziehung. Das Kind beobachtet nämlich genau, wie sich Mama und Papa verhalten, wenn mal Streit angesagt ist. Liegt dann für Tage eine „Gewitterwolkenstimmung“ über dem Haus und gehen sich die Eltern sprachlos aus dem Weg? Oder setzen sich die Beteiligten zusammen an den Tisch und versuchen in der Kommunikation, das Problem aus der Welt zu schaffen? Kinder ahmen nach, was sie sehen – so auch bei der Streitkultur innerhalb der Familie.

Kampf Mann und Frau
Wie die Großen – so die Kleinen. Seid euren Kids ein Vorbild und streitet fair und konstruktiv!

Wenn gar nichts mehr hilft: Hilfe holen

Rangeleien und Unstimmigkeiten unter Geschwistern sind normal und können mehrfach in der Woche vorkommen. Zeichnet sich jedoch ab, dass die Kinder ernsthafte Probleme miteinander haben, sollten sich Eltern nicht davor scheuen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Manchmal helfen wenige Sitzungen bei einem Familientherapeuten, um die Familienkonstellation im Allgemeinen und die betreffenden Kinder im Besonderen unter anderen Blickwinkeln zu sehen. Dann wird es auch Zuhause möglich, festgefahrene Strukturen zu verändern und den ständigen Streitereien ein für alle Mal den Garaus zu machen!

Natürlich hilft es auch, wenn ihr euch bei Verwandten und Freunden Luft macht und Rat holt, wenn der Geschwisterstreit den Haussegen bedroht. Vielleicht haben befreundete Eltern ja einen hilfreichen Rat, wie sie sich in ähnlichen Situationen verhalten? Bestimmt stellen viele Eltern fest, dass sie mit ihrer Ratlosigkeit und Überforderung beim Thema „streitende Kinder“ nicht alleine dastehen. Eine zusätzliche Stütze – sowohl für betroffene Eltern als auch für streitenden Kinder – sind zudem Bücher zum Umgang mit Kinder-Streit. Vielleicht habt Ihr in der Familie ja Lust, gemeinsam zu schmökern? Dann lest doch einfach zusammen das Buch „Nele hat Geschwisterzoff“, erfahrt mehr über das „Streiten, Quengeln und Vertragen” und wie am Ende „alles wieder gut“ wird.

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