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Tanzkurse für Kinder: Klassisches Ballett und kreativer Kindertanz

Ballett, Hip Hop oder doch lieber kreativer Kindertanz? Und was ist mit Mambo, Rock ’n Roll oder auch Capoeira? Dein Kind bewegt sich gerne, am liebsten zu Musik und hat vielleicht auch schon den Wunsch geäußert, einen Tanzkurs zu besuchen – und jetzt geht es nur noch darum, den passenden zu finden? Auch hier gilt wie so oft: Probieren geht über Studieren – und so empfiehlt es sich, verschiedene Kurse herauszusuchen, die grundsätzlich erst einmal in Frage kommen, Probestunden zu vereinbaren und zu schauen, wie es dem Kind jeweils gefällt. Bei der anfänglichen Orientierung können folgende 3 Punkte helfen:

Die Größe der Schule: Größere Schulen mit mehr Schülern haben meistens mehr Erfahrung im Unterrichten.

Die Ausrichtung des Unterrichts: Gibt es bestimmte Lehrpläne und Methoden, nach denen unterrichtet wird?

Die Lehrerin/der Lehrer: Versteht sich mein Kind mit ihr/ihm? Auch hier spielt Erfahrung im Unterrichten eine entscheidende Rolle und ist meist aussagekräftiger als akademische Qualifikationen.

Die zwei beliebtesten Tanzstile für Kinder sind klassisches Ballett und kreativer Kindertanz. Deshalb haben wir uns mit einer Expertin, der Balletttänzerin und Tanzwissenschaftlerin Cathy Waldmann, getroffen, um mehr über diese beiden Tanzrichtungen zu erfahren. Die gebürtige Freiburgerin lebt mit ihren beiden Töchtern (7 und 9 Jahre) in Berlin, wo sie unter anderem klassisches Ballett in der Frühpädagogik und kreativen Kindertanz an verschiedenen Tanzschulen sowie an Kindergärten und Grundschulen unterrichtet.

Interview mit einer Expertin

Cathy Waldmann
Cathy unterrichtet klassisches Ballett und kreativen Kindertanz an verschiedenen Schulen in Berlin

Cathy, du bietest unter anderem einen Ballettkurs an, der „Parent & Child“ heißt. An wen richtet sich so ein Kurs und ab welchem Alter können Kinder eigentlich schon klassisches Ballett tanzen lernen?

Der Kurs ist für Kinder ab 2 ½ bis 3 Jahren geeignet, je nach persönlicher Entwicklung. Meistens besuchen die Kinder den Kurs mit ihren Müttern oder einer anderen Bezugsperson, die am Anfang auch sehr gerne mittanzen kann. Für die Kleinen ist das meistens beruhigend und motivierend, wenn sie merken, dass ihre Bezugsperson mitmacht und alles ok ist. Langfristig geht es aber schon darum, dass die Kids im Ballettunterricht ihren eigenen Raum finden und den Kurs alleine weitermachen. Das braucht je nach Kind und individueller Beziehung verschieden viel Zeit.

Wie viele Kinder sind in so einem Kurs und bis zu welchem Alter?

In die „Parent & Child“ Kurse nehme ich bis zu 8 Kinder auf. Die meisten machen so einen Kurs bis sie 4 Jahre alt sind. Danach können sie in einen regulären Kinderkurs wechseln. Im Grundschulalter kann der dann auch schon mal bis zu 15 Schüler haben. Bei den Jugendlichen werden es in der Regel wieder weniger, weil die meisten dann doch andere Interessen entwickeln.

Cathy Waldmann bei einem Luftsprung
Cathy liebt es, Tanzkurse für Kinder anzubieten

Tanzunterricht angepasst auf die Entwicklung des Kinderkörpers

Worauf muss man beim Ballettunterricht für kleine Kinder achten und was kann Eltern dabei helfen, einen geeigneten Kurs für ihr Kind zu finden?

Es gibt verschiedene Methoden im klassischen Ballett. Für Kinder bietet es sich immer an, sich an der sogenannten englischen Methode zu orientieren, die von der Royal Academy of Dance (RAD) vertreten wird. Sie ist speziell an die Entwicklung des Körpers angepasst und überfordert die Kleinen nicht. So wird nach den Lehrplänen zum Beispiel erst ab 12 Jahren Spitzentanz unterrichtet, weil Kinderkörper vorher einfach noch nicht soweit sind. Ein weiterer Vorteil ist, dass diese Methode international verbreitet ist und so eine sehr gute Vergleichbarkeit der Lehrinhalte und auch der individuellen Leistungen bietet – was zum Beispiel für Jugendliche interessant ist, wenn sie das Balletttanzen später ernsthaft weiterverfolgen möchten. Bei den ganz Kleinen orientiere ich mich an den Pre-Primary-Lehrplänen der Royal Academy of Dance, also ungefähr für Kinder ab 4 Jahren, und passe sie nochmal spielerisch an. Also ich würde Eltern immer empfehlen, darauf zu achten, nach welchen Methoden und Lehrplänen unterrichtet wird.

Das heißt, die ganz Kleinen tanzen dann auch schon richtiges Ballett?

Ja, die tanzen dann auch schon klassisches Ballett. Aber wenn wir die 1. Ballettposition lernen, stellen wir uns zum Beispiel vor, dass wir Pinguine sind. Oder bei der halben Spitze, da tun wir so, als würden wir Stöckelschuhe tragen. Bei Fingerübungen nehme ich gerne bunte Stoffblumen zur Hilfe und wir versuchen, die Blumen ganz vorsichtig anzufassen. Und für Armübungen eignen sich Satinbänder ganz toll, die wehen so schön, wenn man die Arme schwingt.

Ich höre da heraus, dass es schon auch ums Spielen, also mit Rollen und Kostümen geht, oder?

Ehrlich gesagt? Gerade bei den Kleinsten: Ja. Total. Vor allem im klassischen Ballett. Das ist im kreativen Kindertanz noch einmal etwas anderes, weil es da keine kulturell geprägten Vorbilder gibt. Aber jedes Kind hat eine Vorstellung von einer Ballerina und möchte auch so aussehen. Das ist bei uns Erwachsenen ja ähnlich. Auch für uns stehen das Tutu, die Spitzenschuhe und der Dutt pars pro toto als Symbole für das klassische Ballett.

Kinderbeine in Strumpfhosen und Gymnastikschuhen
Kinder können bereits ab einem Alter von 2,5 Jahren Ballettkurse besuchen

Die Kinder träumen von einem klassischen Ballerina-Outfit mit Tutu

Gibt es bestimmte Trends, die du beobachten kannst?

Ja, die Mädchen möchten schon fast alle ein Trikot mit Tutu tragen und die passende Strumpfhose dazu. Am Liebsten auch alles in rosa, weiß, lila oder türkis. Mir ist noch kein Kind begegnet, das sich ein schwarzes Balletttrikot ausgesucht hat. Auch der Haarschmuck spielt eine große Rolle, da kann es bei den Kleinen nicht genug glitzern und blinken und den Großen kann der Dutt nicht perfekt und rund genug sein. Natürlich ist das von Kind zu Kind und auch je nach Familie unterschiedlich, aber diese Tendenz ist schon auffällig häufig zu beobachten. Ich finde das auch völlig in Ordnung so. Das Kostüm gehört zum klassischen Tanz einfach dazu. Die Jungs sind da meistens unkomplizierter und tragen Leggings und T-Shirt und später vor allem schwarze Ballettschläppchen.

Und worauf kommt es bei der Kleidung wirklich an?

Nun ja, das Tutu hat im klassischen Ballett tatsächlich die Bedeutung eines Abstandhalters und kommt beim Pas de Deux zwischen Frau und Mann zum Einsatz. Im Unterricht wird es also eigentlich gar nicht gebraucht. Ich finde es bei den ganz Kleinen, so bis zu 4 Jahren, trotzdem vollkommen okay, wenn sie mit Tutu in den Unterricht kommen. Sie schlüpfen dadurch in die Rolle einer Balletttänzerin. Das gibt ihnen eine besondere Haltung und macht einfach großen Spaß. Hier spielt das Kostüm also eine motivierende Funktion und lässt die Kleinen sich wie eine Tänzerin fühlen. Das funktioniert erstaunlich gut. Bei den Älteren finde ich, dass Trikots mit kleinen Röckchen ein guter Kompromiss sind, wenn sie nicht ganz auf das Tutu verzichten möchten. Das Einzige, was tatsächlich für alle Altersgruppen und Geschlechter wirklich wichtig ist, sind die Schuhe. Man muss da nicht gleich teure Ballettschläppchen aus dem Fachgeschäft kaufen, die ganz aus Leder sind. Die sind später, wenn man weiß, dass das Kind dabei bleiben möchte, wirklich gut, weil sie meistens so eine zweiteilige Sohle haben. Dadurch sind sie sehr gut zu bewegen. Aber für den Anfang reichen herkömmliche Gymnastikschläppchen mit einer weichen Wildledersohle auch. Wichtig ist nur, dass es keine dicke Gummisohle ist, weil die Kinder die mit ihren Füßen gar nicht bewegen können. Also entweder barfuß oder richtig gute Stoppersocken oder Schläppchen mit ganz weicher Wildledersohle. Das ist im kreativen Kindertanz auch etwas anders, da kann einfach barfuß getanzt werden.

Eine Ballerina in schwarzem Kostüm macht eine Figur im Wald
Klassisches Ballett ist bei Kindern verschiedener Altersklassen sehr beliebt

Kreativer Kindertanz kann ganz unterschiedlich sein

Was macht man im kreativen Kindertanz genau?

Das ist tatsächlich ganz von der Lehrerin/dem Lehrer abhängig. Es ist sicher, wenn jetzt nicht ich hier säße, sondern jemand anderes, dann würde der dir auch etwas ganz anderes erzählen. Ich behalte auch im kreativen Kindertanz die Methoden der Royal Academy of Dance im Kopf, kann aber damit dann natürlich viel freier arbeiten als in einer klassischen Ballettstunde. Hier geht es mehr um den persönlichen Ausdruck. Darum, eigene Bewegungen zu finden, aber auch ums Spielen und Toben, das darf auch sein. Mir ist es wichtig, dass die Kinder lernen, sich bewusst mit ihrem Körper auszudrücken und, dass Sprache nicht nur verbal ist. Wir sprechen mit dem Körper – das ist eigentlich so die einzige Tätigkeit, die ich im kreativen Kindertanz aktiv aufrufe.

Wie kann so eine Stunde konkret aussehen?

Ich biete an einer Vorschule zum Beispiel einen Kurs an, den habe ich „Geschichte(n) tanzend erleben“ genannt. Der findet immer montags statt und ist tatsächlich auch nur für 4 bis 5 Kinder gedacht. Da frage ich die Kids unter anderem, wie ihr Wochenende war. Dann antwortet jeder einzelne mit eigenen Bewegungen. Ob pantomimisch oder tanzend oder wie er gerne möchte. Das geht der Reihe nach und die anderen schauen zu, bis jeder einmal dran war. Meistens machen wir daraus ein Ratespiel, sodass herausgefunden werden soll, worum es gerade geht und was das jeweilige Kind am Wochenende erlebt hat. Das ist dann eine persönliche Geschichte. Aber neulich haben wir zum Beispiel auch einen Ritterschlag nachgespielt. Als Beispiel einer kulturell codierten Bewegungsfolge. Also eine Art historische Geschichte, die wir alle kennen.

Goldgelbe, sehr gebrauchte Ballettschuhe

Tanzkurse für Kinder sind und bleiben beliebt

Wie schätzt du die Entwicklung im Bereich des Kindertanzes ein?

Ich denke, dass kreativer Kindertanz immer noch die Nummer 1 auf der Beliebtheitsskala ist und auch bleiben wird. Aber es gibt schon auch so etwas wie eine Renaissance des klassischen Ballett. Das würde ich schon so sagen. Die Nachfrage nach klassischen Ballettkursen in der Frühpädagogik steigt immer weiter. Und es wird ja inzwischen auch medial bedient, nicht zuletzt durch entsprechende Kinderfilme oder ähnliches. Und letztendlich ist es von Kind zu Kind sehr verschieden. Manche Kinder mögen es, sich frei und ohne Vorgaben zu Musik zu bewegen und können mit dieser Freiheit gut umgehen und andere Kinder empfinden gerade die Ordnung im klassischen Ballett als unglaublich entspannend und wohltuend und finden da ihre Inspiration.

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One comment

  1. Hallo zusammen,

    ich finde, es ist durchaus wichtig, dass man jedem Kind die Möglichkeit gibt, mal in die Möglichkeiten hineinzuschnuppern, die es so hat. Dass man es einmal an die Hand nimmt und in den Sportverein schickt, dass man mindestens einmal Musikunterricht anbietet und auch, dass es einen Tanzkurs besucht.
    Später kann es dann selbst sagen, ob es das will oder nicht oder welche Sportart und welches Musikinstrument. Aber ohne an die Hand genommen zu werden, hat es ja auch gar nicht die Möglichkeit, die Alternativen kenne zu lernen.

    Gruß, Susi

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